Krebstherapie in Zeiten der Corona Pandemie

Krebspatientinnen und Krebspatienten, die bereits durch ihre Krankheit zu einer gefährdeten Gruppe gehören, sehen sich nun durch die Corona-Krise zusätzlichen Problemen gegenüber: So steht sehr oft die Entscheidung an, ob und in welchem Umfang eine Tumortherapie die Überlebenswahrscheinlichkeit verbessert oder eher zu einer Schwächung des Immunsystems mit einer stärkeren Anfälligkeit für eine Covid-19 Infektion mit ungünstigem Ausgang führt. Chemotherapien werden als wichtigste Säulen der Krebstherapie angesehen.

Eine der schwierigsten Entscheidungen ist die, ob eine Chemotherapie durchgeführt werden soll, wenn keine Metastasen vorhanden sind, also eine neoadjuvante oder adjuvante Chemotherapie. Sie soll die Überlebens-wahrscheinlichkeit verbessern. Es ist aber unumstritten, dass „neoadjuvant chemotherapy confers risks of immunosuppression" (COVID-19 Pandemic Breast Cancer Consortium (USA)) also zu einer Schwächung des Immunsystems führt. 

1. Neoadjuvante Chemotherapie, d.h. eine Chemotherapie vor der Operation.


Diese Chemotherapien werden durchgeführt um den Tumor zu verkleinern und bessere Voraussetzung für eine Operation zu schaffen. Die ursprüngliche Hoffnung, mit der Tumorverkleinerung auch eventuell vorhandene Mikrometastasen zu vernichten und damit das Überleben zu verbessern, hat sich nicht erfüllt. Die neoadjuvante Chemotherapie (vor der Operation) ist der adjuvanten Chemotherapie (nach der Operation) in etwa gleichwertig (1), in manchen Tumorsubtypen führt sie aber möglicherweise zu schlechteren Ergebnissen (2). Trotzdem empfiehlt das COVID-19 Pandemic Breast Cancer Consortium (USA)für Patientinnen mit triple negativem und Her2/neu positivem Brustkrebs eine neoadjuvante Chemotherapy. 

Bei einer Abwägung für oder gegen eine solche Therapie sollte nicht vergessen werden, dass triple negative oder Her2/neu positive Tumore, die gering oder nicht auf eine neoadjuvante Chemotherapie ansprechen, eine besonders schlechte Prognose haben. Derzeit wird diskutiert, ob in solchen Fällen eine adjuvante Chemotherapie angeschlossen werden soll (3). Angesichts der Tatsache, dass es weder beim Brustkrebs noch bei anderen Tumoren Eigenschaften gibt, die vorhersagen könnten, ob der Tumor der/des jeweiligen Patientin/en anspricht oder nicht, muss jeder für sich entscheiden, ob sie/er sich einer solchen Therapie unterziehen will. Dies sollte von den Patientinn/en zusammen mit dem behandelnden Arzt diskutiert werden.

Die maintrac® Testung der Chemosensitivität der zirkulierenden Tumorzellen könnte bei einer Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie einen Beitrag leisten. Wir konnten zeigen, dass, wenn die im Blut zirkulierenden Tumorzellen im Reagenzglas nicht auf ein Medikament ansprechen, dieses auch bei der Patientin nicht zu einer Tumorverkleinerung führt. Auch die Zellen im Blut werden dann nicht reduziert. Damit sieht es so aus, dass die Reaktivität im Reagenzglas voraussagt, ob die Tumorzellen in der Wirklichkeit ansprechen werden.

1. Adjuvant versus neoadjuvant chemotherapy in triple-negative breast cancer patients with BRCA mutations. Clifton K, Gutierrez-Barrera A, Ma J, Bassett R Jr, Litton J, Kuerer H, Moulder S, Albarracin C, Hortobagyi G, Arun B.Breast Cancer Res Treat. 2018 Jul;170(1):101-109. doi: 10.1007/s10549-018-4727-9. Epub 2018 Feb 22.PMID: 29470805
2. Neoadjuvant Chemotherapy Plays an Adverse Role in the Prognosis of Grade 2 Breast Cancer. Cancer.2019 Sep 7;10(23):5661-5670. doi: 10.7150/jca.33168. eCollection 2019.PMID: 31737103 Zhu X, Xue J, Gu X, Chen G, Cao F, Shan H, Wang D, Qiao X, Liu C, Zhang Y.J J Cancer 2019 Sep 7;10(23):5661-5670. doi: 10.7150/jca.33168. eCollection 2019 

3. Early Triple Negative Breast Cancer: Conventional Treatment and Emerging Therapeutic Landscapes.Diana A, Carlino F, Franzese E, Oikonomidou O, Criscitiello C, De Vita F, Ciardiello F, Orditura M.Cancers (Basel). 2020 Mar 29;12(4):E819. doi: 10.3390/cancers 12040819.PMID: 32235297

2. Operation


Bezüglich der Operation wird geraten, diese vorerst zurückzustellen, wenn sie nicht unbedingt notwendig ist. Erstaunlicherweise meint das COVID-19 Pandemic Breast Cancer Consortium (USA) gerade bezüglich der neoadjuvanten Chemotherapie, dass die hohen Raten an klinischer und pathologischem Ansprechen ein Hinauszögern der Operation erlauben. Es hat sich aber gezeigt, dass ein Hinauszögern der Operation bei Tumoren, auch wenn sie durch die neoadjuvante Chemotherapie verkleinert oder sogar vollkommen eliminiert wurden (pCR), eine hochsignifikant erhöhte Rate an Lokalrezidiven nach sich zieht, und Patientinnen mit triple negativem Brustkrebs haben bei Resterkrankung nach der neoadjuvanten Chemotherapie besonders ungünstige Zukunftsaussichten.

Dagegen kann eine Operation kann nach Ansicht des COVID-19 Pandemic Breast Cancer Consortium (USA) bei Hormonrezeptor-positiven Tumoren ohne Prognoseverschlechterung hinausgeschoben werden. Sie können bereits vor der Operation endokrin therapiert werden und haben damit eine weitaus bessere Prognose. Gerade hier kann eine regelmäßige Überwachung mit maintrac® hilfreich sein. Ein Hauptanwendungsbereich ist ja die Langzeitanalyse der zirkulierenden Tumorzellen zur Kontrolle der Tumoraktivität unter endokriner Therapie.

Für die Therapie Her2/neu positiver Tumore wird jetzt vom COVID-19 Pandemic Breast Cancer Consortium (USA) Ado-trastuzumab Emtansine anstelle einer Kombination von Trastuzumab mit Chemotherapie vorgeschlagen. Wir haben gute Ergebnisse bei der Überwachung unter dieser Therapie und hatten diese auch für die Erstattung durch die Kassen vorgeschlagen, was aber damals abgelehnt wurde. Jetzt bestehen also gute Chancen diese Therapie von den Kassen erstattet zu bekommen.

Bei nichtinvasiven Brusttumoren (DCIS) und niedrig aktiven Prostatatumoren (Gleason 6) wird aktives Warten in Erwägung gezogen. Auch hier kann maintrac® dazu beitragen, diese Tumore über die zirkulierenden Tumorzellen zu überwachen.

3. Adjuvante Chemotherapie


Viele Patientinnen, vor allem mit kleinen oder Hormonrezeptor-positiven Tumoren profitieren nicht wirklich von Chemotherapien (Stage 2 disease (including those with N1 nodal involvement), and those with low-intermediate grade tumors, lobular BCs, low-risk genomic assays or "luminal A" signatures, do not benefit substantially from neoadjuvant or adjuvant chemotherapy). Diese Erkenntnis ist nicht neu. Die Gefährdung durch das Covid-19 Virus verleiht jetzt der Bevorzugung anderer Therapien Vorschub, das heißt es wird nicht mehr um jeden Preis eine Chemotherapie empfohlen.

Vielmehr wird auf eine endokrine Therapie gesetzt. Eine Überwachung der zirkulierenden Tumorzellen kann unter diesen Umständen rechtzeitig eine erhöhte Tumoraktivität feststellen und Hinweise darauf geben, wann eine intensivere Therapie erforderlich ist.

4. Radiotherapie


Zwar beeinflusst auch die Radiotherapie das Immunsystem, aber wohl nicht in dem Ausmaß wie es die Chemotherapie tut. Wir haben gezeigt, dass ein Anstieg während der Radiotherapie mit einer erhöhten Rezidivrate verbunden ist. Entzündungshemmer, könnten bei ansteigenden Tumorzellzahlen möglicherweise auch die Corona-bedingte Entzündung hemmen. 

Ansonsten ist es bei der Radiotherapie mehr der Aufenthalt in den Praxen, der zu Infektionen führen kann. Radiotherapie sollte auf den kürzesten möglichen Aufenthalt reduziert werden.

5. Immuntherapie


Immuntherapien können das Immunsystem sehr stark beeinflussen. Inwieweit es sinnvoll ist, unter den augenblicklichen Umständen, eine solche Therapie zu beginnen oder fortzusetzen, muss zwischen Patient und Therapeut abgesprochen werden.

Die neue Bedrohung durch Covid-19 sollte dazu führen, dass die Tumortherapie in Absprache zwischen Patienten und Therapeuten konzipiert wird. Alle verfügbaren Maßnahmen sollten ergriffen werden, um die jeweilige Therapie zu optimieren und die Gefährdung durch die Therapie zu minimieren.



Sie können arbeitstäglich von 14:00 bis 15:00 direkt in unserem Labor an der Lohengrintherme in der Kurpromenade 2, 95448 Bayreuth getestet werden.



Befundübermittlung

Wenn keine DSGVO konforme Übermittlung möglich ist, erhalten Sie den Befund per Post. Sie können diesen auch bei uns arbeitstäglich von 15.00 bis 16.00 Uhr persönlich abholen (Personalausweis bitte mitbringen).



Feiertage 2020

Am 24./25./26.12 sowie am 31.12. und 01.01. bleiben unsere Corona Teststationen geschlossen.

Ergebnisse vom 23.12. bzw. 30.12. stehen Ihnen am jeweiligen Folgetag online zum Abruf zur Verfügung.

Bitte kontrollieren Sie Ihre Daten (E-Mail, Mobilnr.) auf dem Untersuchungsantrag an der Corona Teststation genau, da an den Schließtagen kein telefonischer Support für den Abruf zur Verfügung steht.

Kosten

Privatpatienten benötigen keinen Überweisungschein vom Hausarzt. Es wird eine Rechnung gestellt die Sie bei der Krankenkasse einreichen können.

Bayerische Staatsbürger können alternativ persönliche Gründe für einen Test ohne Überweisungsschein angeben. Die Kosten dafür werden vom Freistaat Bayern übernommen.

Für alle anderen Personen ohne Erstwohnsitz in Bayern kostet die Untersuchung 154,01 €. Diese sind in bar zu entrichten.

Bitte bringen Sie Ihre Krankenkassenkarte und den Personalausweis mit!

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Ihr Laborteam


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